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„Ist das Wasser jetzt echt?"

  • Autorenbild: Marcel Dütscher
    Marcel Dütscher
  • 26. Juni
  • 1 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Wochenlang hatte ich abends heimlich am Aussehen des Spiels gearbeitet. Anti-Aliasing, Umgebungsverdeckung, Farbstimmungen pro Biom, Licht, das an Materialien glänzt — lauter Dinge, die einzeln unsichtbar sind und zusammen alles verändern. Und die ganze Zeit habe ich nichts davon gezeigt.


Dann kam der Abend der Wahrheit. Ich ließ Justus den neuen Build kalt starten — keine Vorwarnung, kein „schau mal, was ich gemacht habe". Er landete auf einem Planeten, stand eine Sekunde still und sagte:


„Warte… ist das Wasser jetzt echt?"


Das war das ganze Release in einem Satz.


Das Wasser war tatsächlich der größte Brocken: vorher eine trübe, undurchsichtige Fläche, jetzt klar, mit weichen Spiegelungen auf der Oberfläche — man kann wieder hineinschauen und hindurchtauchen. Nebenbei fiel uns dabei auf, dass Sonne und Monde am Himmel jahrelang als schwarze Scheiben gerendert worden waren. (Ups.) Auch die sind jetzt echt.


Was ich an diesem Abend gelernt habe, hat nichts mit Grafik zu tun: Der unangekündigte Test ist der ehrlichste. Wenn ich Justus vorher erzählt hätte, was neu ist, hätte er genickt und es gut gefunden — Kinder sind höflicher, als man denkt, wenn Papa etwas zeigt. Aber die spontane Reaktion eines Zehnjährigen, der etwas selbst entdeckt, kann man nicht faken. Sie ist entweder da oder nicht.


Seitdem ist das unser Ritual für große Änderungen: nichts sagen, Build starten, danebensitzen, Klappe halten. Es ist jedes Mal ein bisschen nervenaufreibend. Und es ist der beste Qualitätstest, den wir haben.

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