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Wie unser Spiel in einer Woche vierzehn Sprachen lernte 🌍

Autorenbild: Marcel Dütscher
Marcel Dütscher
10. Aug.
3 Min. Lesezeit

10. August 2026


Als wir angefangen haben, sprach Blocks Beyond the Stars genau zwei Sprachen: Deutsch, weil wir hier wohnen, und Englisch, weil das Internet Englisch spricht. Heute sind es vierzehn. Wie das passiert ist — und was dabei alles kaputtgegangen ist. 🌍


Angefangen hat es mit Francesco. Vor ein paar Wochen kam ein Pull Request aus Italien: Francesco Quirino hatte angefangen, das Spiel ins Italienische zu übersetzen. Von Hand. Gruppe für Gruppe, beginnend mit allen 290 Blocknamen und ihren Beschreibungen. Das war der Moment, in dem uns klar wurde, dass wir das Thema Sprachen ernst nehmen müssen — denn bis dahin war der halbe Spieltext gar nicht übersetzbar. Über 300 Servermeldungen waren fest auf Englisch verdrahtet. Wir haben also erst mal aufgeräumt, damit Francescos Arbeit überhaupt irgendwo ankommen konnte.


Dann kam die unbequeme Frage. Eine Sprache von Hand zu übersetzen dauert Wochen. Wir sind eine Familie, kein Lokalisierungsstudio. Also: Maschine — aber ordentlich. Wir haben ein kleines Werkzeug gebaut, das die Sprachdatei in Häppchen zerlegt, ein Sprachmodell übersetzen lässt und danach prüft: Fehlt ein Text? Ist ein Platzhalter wie {0} verschwunden? Hat sich ein Schlüssel erfunden, den es gar nicht gibt? Wenn ja, fliegt es raus. Erst als das Werkzeug zuverlässig lief, haben wir Sprachen nachgelegt: Niederländisch, brasilianisches Portugiesisch, Polnisch, Türkisch — und dann Russisch, Ukrainisch, Chinesisch, Japanisch und Koreanisch.


Der Ton war schwieriger als die Wörter. Ein Sprachmodell übersetzt standardmäßig höflich-distanziert. Ein Kinderspiel, das einen siezt, ist aber gruselig. Also bekam jede Sprache eine eigene Regel mit auf den Weg: niederländisch „je/jij", polnisch „ty", türkisch „sen", brasilianisch „você", russisch „ты", japanisch です/ます, koreanisch 해요체. Und Niederländisch hat uns einen Extra-Durchgang gekostet, weil das IJ am Wortanfang beide Buchstaben groß schreibt — „IJzererts", nicht „Ijzererts". Sowas findet keine Maschine von selbst; sowas findet man, wenn man das Ergebnis liest.


Und dann waren da die leeren Kästchen. Wir hatten Russisch fertig übersetzt, gestartet — und das Menü zeigte nur noch Rechtecke. Unsere Hausschrift Rajdhani kann schlicht kein Kyrillisch. Bei Chinesisch, Japanisch und Koreanisch wurde es richtig unangenehm: Eine vollständige CJK-Schrift wiegt rund 16 Megabyte. Mal drei wären das fast 50 MB — für ein Spiel, das auch im Browser laufen soll, undenkbar. Die Lösung: Wir bauen für jede Sprache eine maßgeschneiderte Teilschrift, die exakt die Zeichen enthält, die in unseren Texten vorkommen. Aus 16 MB werden 800 KB. Statt 50 MB wächst das Spiel um zwei. 🔤


Was uns das gelehrt hat. Übersetzen ist zu 20 % Übersetzen und zu 80 % alles andere: Texte überhaupt erst aus dem Code herausholen, Schriften finden, prüfen, ob die Sätze noch in die Knöpfe passen (Deutsch ist lang, aber Russisch ist länger), dafür sorgen, dass sogar die Fehlermeldung übersetzt ist, die erscheint, bevor die Sprachdateien geladen sind. Diese letzte Meldung mussten wir vierzehnmal fest ins Programm schreiben. Das fühlt sich falsch an — ist aber die einzige Meldung, die man garantiert lesen können muss.


Ehrlich bleiben: Die Erstübersetzung ist maschinell. Sie ist gut, sie ist vollständig, sie ist geprüft — aber sie ist nicht von einem Menschen gegengelesen. Wir schreiben das absichtlich dazu, statt so zu tun, als hätten wir vierzehn Übersetzer. Genau deswegen ist Francescos italienische Arbeit weiterhin zeichengenau erhalten: Unser Werkzeug füllt nur Lücken, es überschreibt nie eine Handübersetzung. Wo ein Mensch da war, gewinnt der Mensch.


Wenn ihr eine dieser Sprachen sprecht: Wir freuen uns über jede Korrektur, auch über eine einzelne. Im Repo liegt ein Übersetzungs-Guide, der Schritt für Schritt erklärt, wie man mitmacht — und wer keine Lust auf GitHub hat, schreibt uns einfach, welcher Satz komisch klingt. Ein Muttersprachler sieht in fünf Minuten mehr als wir in fünf Stunden. 🌍✨

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